Archiv 2008 - 2009

Flößen von Holz

erstellt 07.01.08, 18:29h, aktualisiert 07.01.08, 22:32h

Halle/MZ. Der Elsterfloßgraben ist ein rund 93 Kilometer langes Floßgrabensystem und technisches Denkmal. Er beginnt am Wehr Crossen und führt über Ahlendorf, Pötewitz, Wetterzeube, Schleckweda, Salsitz, Kleinosida und Grana nach Zeitz. Um schließlich von Sachsen-Anhalt aus weiter nach Sachsen, über den Abzweig bis nach Leipzig, zu führen. Den Bau beauftragte um 1577 August I. Für den Bau verantwortlich zeichnet der Freiberger Oberbergmeister Martin Planer. Auf dem Floßgraben wurde Scheitholz geflößt, das als Brennmaterial für die Salzgewinnung in Salinen genutzt wurde. Der Floßgraben war bis 1864 / 65 in Betrieb.

Neuer Abschnitt führt Wasser

Bei Schleckweda Abschlag geöffnet - Floßgraben fließt weiter bis Bahnhof Haynsburg

VON Uta Kunick, 07.01.08, 18:29h, aktualisiert 07.01.08, 22:34h

Ein bewegender Augenblick: Am Abzweig Uthmig wird der Abschlag zum Floßgraben geöffnet. Landtagsabgeordneter Dr. Frank Thiel, Landrat Harri Reiche und sein erster Beigeordneter Gundram Mock (v.l.) lassen sich die Wiederbespannung des Floßgrabens nicht entgehen. (MZ-Foto: Corina Wujtschik)

 

 

Schleckweda/MZ. "Heute ist ein schöner Tag", erklärte Dr. Frank Thiel (Die Linke). Dass es aus den dicken, dunklen Wolken nur so schüttete, störte den Landtagsabgeordneten nicht. Thiel hatte sich dafür stark gemacht, dass der Floßgraben nicht - wie vom Landesverwaltungsamt avisiert - als grüne Mulde geführt wird.

Am Montagvormittag erfüllte sich für ihn und für viele andere Naturfreunde ein Traum, als der Gemeindearbeiter der Gemeinde Wetterzeube Thomas Karkein und Steffen Kühn vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) bei Schleckweda am Abzweig Uthmig zunächst den Abschlag zur Weißen Elster zudrehten, um gleich darauf den Abschlag zum Floßgraben zu öffnen. Die Männer, zu denen auch Landrat Harri Reiche (parteilos), dessen erster Beigeordneter Gundram Mock, Stadtrat Reinhard Sträßner (parteilos), LHW-Mitarbeiter Ingo Herziger und der Geschäftsführer der Zeitzer innovativen Arbeitsfördergesellschaft (Ziag) Michael Gottschlich gehörten, freuten sich wie kleine Jungs, als sich das Wasser zögerlich seinen Weg durch den von der Ziag beräumten Floßgraben bahnte. Sträßner sprach von Heimatliebe und von einem "historischen Moment" und erinnerte an das nächste Ziel: die Formierung der Anrainergemeinden einschließlich der Stadt Zeitz zu einem Trägerverband, um den Erhalt des Elsterfloßgrabens zu forcieren. Thiel versprach: "Ich bleibe dran."

Der Floßgraben trägt durchgängig von Crossen bis zum Abschlag Haynsburg Wasser. In Haynsburg sorgte die Ziag im Vorfeld dafür, dass Sandsäcke am Abschlag eingebracht worden. Sie dienen als künstliche Abdeckung und sollen das Wasser hier stoppen bis der nächste Abschnitt freigegeben werden kann. "Wir müssen gucken, wie weit wir kommen", erklärte Gottschlich. Gegenwärtig wird der Floßgraben zwischen Haynsburg und Grana über eine Ziag-Maßnahme beräumt und frei geschnitten. Dass das Wasser am 7. Januar aufgedreht werden und an jenem Tag die Wiederbespannung (erneute Wassereinleitung) vom Abschlag Uthmig bis zum Abschlag am Bahnhof Haynsburg erfolgen soll, darüber wurden die Anwohner über das Amts- und Informationsblatt der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Droyßiger-Zeitzer Forst informiert. Für Rückfragen stehen die Gemeinde Wetterzeube und Grana sowie das Bauamt der VG zur Verfügung.

Der Landesbetrieb für Hochwasser und Wasserwirtschaft hat eine Bestandsaufnahme in Auftrag gegeben. Dabei wurden alle Gebäude aufgenommen, die sich um Schleckweda in der Nähe des Floßgrabens befinden. Auch die Keller wurden begutachtet. "Damit bei der Wiederbespannung des Floßgrabens ein Vergleich möglich ist und unberechtigte Eingaben seitens der Einwohner gegebenenfalls abgewehrt werden können", begründet Flussbereichsleiter Manfred Wagenschein.

Der Elster-Floßgraben

Technisches Denkmal

erstellt 19.05.08, 19:16h, aktualisiert 19.05.08, 21:43h

Halle/MZ. Der Elster-Floßgraben ist ein rund 93 Kilometer langes Floßgrabensystem und hochgradiges technisches Denkmal. Das Grabensystem mit einem natürlichen Gefälle beginnt am Wehr Crossen (Thüringen) und endet im Raum Leipzig, wo es in die Luppe mündet. Den Bau beauftragt hat um 1577 August I. Für den Bau verantwortlich zeichnet der Freiberger Oberbergmeister Martin Planer. Auf dem Floßgraben wurde Scheitholz geflößt, das als Brennmaterial für die Salzgewinnung in Salinen genutzt wurde. Der Floßgraben war bis 1864 / 65 in Betrieb.

Im Jahre 1913 wurde zwischen dem Königlichen Regierungspräsidenten in Merseburg und den Kreisen Zeitz, Weißenfels und Merseburg ein Vertrag geschlossen, der den Kreisen, die als Zweckverband agierten, die Unterhaltung, Beaufsichtigung und Verwaltung des Elsterfloßgrabens und die Fürsorge für die Wasserzuführung übertrug. Daran knüpfen die aktuellen Bestrebungen an.

Vertrag nährt neue Hoffnung

Weitere Bemühungen um Wiederbelebung des Floßgrabens in der Elsterregion

VON Hartmut Landes, 19.05.08, 19:16h, aktualisiert 19.05.08, 21:46h

Zeitz/MZ. Ein Vertrag aus dem Jahr 1913 soll dem Elster-Floßgraben zwischen der Landesgrenze Thüringen und der Elsteraue (dort ist der Graben vom Tagebau unterbrochen) helfen, nicht als "grüne Mulde" zu verkümmern, sondern wieder mit Wasser gefüllt zu werden. Denn nach dem Vorbild dieses Vertrages sollen Anrainergemeinden und Landkreis einen Zweckverband bilden und den Floßgraben als Eigentum vom Land übernehmen. Diese Vorstellung äußerte der Zeitzer Oberbürgermeister Dieter Kmietczyk (parteilos).

Vor einem Jahr hatten sich Experten und Politiker unter Federführung des Landesheimatbundes in Zeitz getroffen und einen Floßgraben mit Wasser als Ziel ihrer Anstrengungen formuliert. Eine Aussage, die auf breite Zustimmung in der Region Zeitz stieß. Doch dieses Vorhaben hat nur wenig gemein mit der Haltung des Landes, in dessen Eigentum sich der Floßgraben als Gewässer I. Ordnung in Sachsen-Anhalt befindet. Das Land will den Floßgraben wasserlos belassen. Politiker wie Frank Thiel (Die Linke) und Reinhard Sträßner (parteilos) wehrten sich gemeinsam mit der Stadt Zeitz gegen die "grüne Mulde" und erreichten vorerst, dass der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) die Versuche der Stadt, Abschnitte des Grabens wieder mit Wasser zu füllen, fachlich begleitete. Geld allerdings floss vom Land nicht.

Nun wollen die Stadt Zeitz und die Anrainergemeinden einen weiteren Schritt gehen. Sie streben die Bildung eines Zweckverbandes und die Übernahme des technischen Denkmals in ihr Eigentum an. Wie das im Detail geregelt werden soll, darüber herrscht noch keine Klarheit. Theo Immisch, Leiter des städtischen Hoch- und Tiefbauamtes, sagt: "Alle Mitglieder im Verband werden eine Umlage zahlen müssen. Es gilt der Solidaritätsgedanke: Alle fühlen sich für alles verantwortlich." Und Kmietczyk betont: "Wir wollen eine finanzielle Beteiligung des Landes erreichen."

Die nächste Beratung über die Wiederbelebung des Floßgrabens soll am 6. Juni in Zeitz stattfinden. Dann werden die Vertreter der Gemeinden über nächste Schritte befinden. "Vielleicht gelingt uns die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft als Vorstufe eines Zweckverbandes", hofft Immisch. Dies wäre ein deutliches Signal in Richtung Land und: "Nicht wasserwirtschaftlich, aber für den Naturschutz und als Baudenkmal ist der Graben von immenser Bedeutung."

Frank Thiel will einen Förderverein Floßgraben

Anregung des Landtagsabgeordneten - Erklärter Wille der Anrainergemeinden: Sanierung des technischen Denkmals

VON Hartmut Landes, 19.06.08, 19:45h, aktualisiert 19.06.08, 22:08h

Zeitz/MZ. Die Anrainergemeinden Wetterzeube, Grana, Kretzschau, Zeitz und Elsteraue sowie die Gemeinde Crossen in Thüringen streben die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft an mit dem Ziel, den Großen Elsterfloßgraben zu sanieren und wieder mit Wasser zu füllen. Das ist das Ergebnis der jüngsten Beratung von Vertretern der Anrainer in Zeitz.

Die Bildung der Arbeitsgruppe soll ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Bildung eines Zweckverbandes Elsterfloßgraben sein, in dessen Regie der Graben saniert und mit Wasser gefüllt werden kann. Theo Immisch, Leiter des Hoch- und Tiefbauamtes der Stadt Zeitz, betonte nach der Beratung gegenüber der Presse, jedes Jahr, das verstreiche, sei ein Jahr hin zur "grünen Mulde". Als solche soll der Elsterfloßgraben nach Auffassung des Landes künftig existieren.

"Doch ohne Wasser ist das einzigartige technische und kulturhistorische Denkmal dem Verfall preisgegeben", sagt Immisch. Und der Landtagsabgeordnete Frank Thiel von der Linkspartei meint: "Nur der öffentliche Druck hat offenbar bisher verhindert, dass die grüne Mulde schon beschlossene Sache ist." Er verwies dabei besonders auf den parteiübergreifenden Konsens zum Erhalt und zur Sanierung des Grabens in der Elsterregion.

Derzeit ist der Elsterfloßgraben ein Gewässer 1. Ordnung, für dessen Instandsetzung und Unterhaltung das Land Sachsen-Anhalt zuständig ist. Wasserwirtschaftlich hat der Graben allerdings fast keine Bedeutung mehr. Deshalb soll die geringste und kostengünstigste Unterhaltungsform - die grüne Mulde - gewählt werden. Gegen diese Auffassung des Landes gibt es in der Elsterregion massiven Widerstand. In der jüngsten Beratung schlug so Frank Thiel vor, die Gründung eines Fördervereins Floßgraben ins Auge zu fassen. "Es ist an der Zeit, auch bürgerschaftliches Engagement an dem Vorhaben zu beteiligen", begründet Thiel, der noch stärker Öffentlichkeit, Naturschützer, Tourismusfreunde und Ingenieure einbinden will. Es müssten alle Leute beteiligt werden, für die der Floßgraben ein Stück neuer Lebensqualität in ihrer Heimat sei.

Reinhard Sträßner, Vorsitzender des Zeitzer Stadtrates und vehementer Verfechter der Bestrebungen für Erhalt und Sanierung des Grabens, hat Kontakt zur Fachhochschule (FH) Anhalt aufgenommen. Er strebt eine dauerhafte Unterstützung und wissenschaftliche Begleitung des Projektes durch Studenten der FH an, so wie Studenten auch das Wasserstraßenprojekt "Blaues Band" unterstützt haben.

Die nächste Beratung der Anrainergemeinden zum Erhalt des Grabens soll am 19. September in Zeitz stattfinden.

Breitere Öffentlichkeit gewünscht

Elsterflossgraben: Initiativgruppe will stärker werben

erstellt 20.10.08, 19:12h, aktualisiert 20.10.08, 20:00h

ZEITZ/MZ/BAR. Ganz und gar öffentlich trifft sich die Initiativgruppe Floßgraben Zeitz am nächsten Dienstag um 19 Uhr im Friedenssaal des Zeitzer Rathauses. Es soll über den aktuellen Stand bei der Gründung des Fördervereins Floßgraben Zeitz berichtet werden. Per Beamer und Laptop möchte man im wahrsten Sinne des Wortes das Anliegen auch für weitere an diesem Thema interessierte Bürger und Unternehmen der Region veranschaulichen.

In der jüngsten Beratung der Initiativgruppe hatte Frank Thiel, Landtagsabgeordneter der Linken, über ein Gespräch im Finanzamt Zeitz über Fragen der Gemeinnützigkeit des zu gründenden Vereins berichtet. Demnach könne der Verein entweder als Förderverein einen gemeinnützigen Träger unterstützen oder auch selbst gemeinnützige Projekte verwirklichen. Die Initativgruppe fand zu der Auffassung, dass das ursprünglich vorgeschlagene Konstrukt zwischen einem Förderverein einerseits, dem Bürger, Vereine, Unternehmen und Institutionen angehören könnten und einem Trägerverein andererseits, in dem Anliegergemeinden, der Burgenlandkreis und das Land Sachsen-Anhalt Mitglied sein könnten, der beste Weg sei, die Wiederinbetriebnahme und Betreibung des Elsterfloßgrabens voranzubringen. Dabei sollte man sich auf denkmalpflegerische und naturschutzrelevante Belange konzentrieren.

Der Förderverein wäre in dieser Konstruktion das Instrument für die Beschaffung der erforderlichen finanziellen Mittel, der Trägerverein wäre für die ordnungsgemäße Verwendung der Mittel zuständig. Bei alledem, da sind sich die Mitglieder der Initiativgruppe einig, dürfte der Trägerverein nur sehr geringfügige finanzielle Belastungen für die Mitglieder bedeuten. Das aktuelle Ziel besteht nun darin, im 1. Quartal des kommenden Jahres möglichst zeitgleich sowohl einen Förder- als auch einen Trägerverein zu gründen, um dann rechtzeitig für die nächsten Beratungen des Finanzhaushaltes des Landes Sachsen-Anhalt die benötigten Fördermittel beantragen zu können.

Zunächst wollen Thiel und Reinhard Sträßner, er ist Vorsitzender des Zeitzer Stadtrates, noch einmal in den Sitzungen der Gemeinderäte der Anliegergemeinden des Elsterfloßgrabens für das Vorhaben werben. Bisher zeigten sich die betreffenden Gemeinden dem Vorhaben durchaus gewogen. Allerdings hatten sie auch alle darauf hingewiesen, dass ihnen das Geld für eine größere finanzielle Beteiligung an der Wiederinbetriebnahme des Floßgrabens fehlt.

Abschlag wieder zugedreht

Anwohner beschweren sich über nasse Keller

VON UTA KUNICK, 27.10.08, 19:04h, aktualisiert 27.10.08, 22:21h

SCHLECKWEDA/MZ. Der Floßgraben führt doch gar kein Wasser mehr. Was ist denn da los?, will ein älterer Herr am Lesertelefon wissen. Dabei spricht er konkret den Abschnitt an, in dem zuletzt Wasser eingeleitet wurde: das Stück von Schleckweda (Abzweig Uthmig) bis zum Bahnhof Haynsburg. Dazu wurde am Abzweig Uthmig zunächst der Abschlag zur Weißen Elster zugedreht und kurz darauf der Floßgraben geöffnet (die MZ berichtete).

Die Zeitzer Zeitung griff das Problem auf und hörte sich dazu im Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) um. Der Abschlag zum Floßgraben musste einige Wochen nach der Probebespannung wieder zugedreht werden, informierte Flussbereichsleiter Manfred Wagenschein. Anwohner hatten sich bei der Unteren Wasserbehörde beschwert, weil bei ihnen plötzlich Wasser in die Keller gedrungen war. Der LHW hatte im Vorfeld eine Beweissicherung durchgeführt. Dazu sahen sich die Verantwortlichen vor der geplanten Wassereinleitung in den am Floßgraben angrenzenden Grundstücken und Gebäuden um und machten sich unter anderem ein Bild vom Zustand der Keller.

"Offensichtlich gibt es im Untergrund Sickerwege, die vom Floßgraben in die benachbarten Grundstücke führen", mutmaßt Wagenschein. Ehe der Floßgraben in jenem Bereich wieder Wasser erhielt, war er in einer Maßnahme der Zeitzer innovativen Arbeitsfördergesellschaft (Ziag) beräumt worden. Tiefgründige Untersuchungen durch eine Fachfirma blieben jedoch aus, setzt Wagenschein hinzu.

"Die Probebespannung zeigt, dass Arbeiten an der Oberfläche allein nicht ausreichen", schätzt der Flussbereichsleiter ein. Um herauszufinden, wo die Sickerwege im einzelnen entlangführen und wie das Wasser in die Grundstücke gelangt, müsse man Fachleute heranziehen und in die Tiefe gehen. Wagenschein: "Das wiederum kostet Geld."

Doch davon sollten sich die Befürworter für die Wiederinbetriebnahme und Betreibung des Elsterfloßgrabens nicht entmutigen lassen, betonte Wagenschein. Der LHW-Mitarbeiter begrüßt die Bestrebungen zum Erhalt jenes historischen Bauwerks, die dringend die Gründung eines Förder- und Trägervereins erforderlich machen.

Die Initiativgruppe Floßgraben Zeitz lädt Dienstag zu einer Informationsveranstaltung in Vorbereitung der Gründung des Fördervereins "Großer Elsterfloßgraben e.V." ein. Sie beginnt um 19 Uhr im Friedenssaal des Zeitzer Rathauses.

400 Jahre altes Kunstgewässer

erstellt 29.10.08, 19:19h, aktualisiert 29.10.08, 19:38h

Halle/MZ. Der Elsterfloßgraben ist ein rund 93 Kilometer langes Floßgrabensystem und hochgradiges technisches Denkmal. Es ist ein Dokument der Wasserwirtschaft. Das Grabensystem hat ein natürliches Gefälle und beginnt am Wehr Crossen (Thüringen) und endet im Raum Leipzig, wo es in die Luppe mündet. Den Bau beauftragt hat um 1577 August I. Für den Bau verantwortlich zeichnet der Freiberger Oberbergmeister Martin Planer. Auf dem Floßgraben wurde Scheitholz geflößt, das als Brennmaterial für die Salzgewinnung in Salinen genutzt wurde. Der Floßgraben war bis 1864 / 65 in Betrieb. Heute hat der Floßgraben wasserwirtschaftlich fast keine Bedeutung. Er ist durch den Tagebau bei Profen unterbrochen. Als Gewässer I. Ordnung ist das Land für seine Unterhaltung zuständig. Der Floßgraben hat als Fließgewässer jedoch eine ökologische Bedeutung und ist einzigartiges Zeugnis wasserwirtschaftlicher Baukunst.

Bekenntnis zu einzigartigem Denkmal

Wiederherstellung des Floßgrabens haben sich Experten und Politiker zum Ziel gesetzt

VON HARTMUT LANDES, 29.10.08, 19:19h, aktualisiert 29.10.08, 19:41h

ZEITZ/MZ. Die Botschaft des Abends ist eindeutig: Wir wollen den Elsterfloßgraben sanieren und mit Wasser befüllen und so ein einzigartiges Bauwerk der Wasserwirtschaft und bedeutendes technisches und Kulturdenkmal erhalten. Das machten sowohl Vertreter der Initiativgruppe "Elsterfloßgraben" als auch Bürger im Friedenssaal des Zeitzer Rathauses deutlich. Als trockene "Grüne Mulde", so wie sich der Floßgraben in weiten Teilen zwischen Wetterzeube und der Elsteraue darstellt, sei das mehr als 400 Jahre alte Bauwerk dem Verfall preisgegeben.

Widerstand gegen Landes-Pläne

Seit April vergangenen Jahres, als unter Federführung des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt eine Expertentagung in Zeitz stattfand, gibt es verstärkten Widerstand gegen die Pläne der Landesregierung, für den Floßgraben, der ein Gewässer I. Ordnung ist, die geringste Unterhaltungsform anzuwenden. Das heißt, ihn ohne Wasser zu belassen. Vertreter der Anrainergemeinden - beginnend von Crossen in Thüringen über Wetterzeube, Grana, Kretzschau und Zeitz bis hin zur Elsteraue - sind sich einig, dass der Floßgraben wieder mit Wasser befüllt werden soll. Den langen Weg bis zu diesem Ziel allerdings können die Gemeinden nicht allein gehen. Sie brauchen aktive Unterstützung, auch wenn sie großen Rückhalt in der Bevölkerung für das Vorhaben spüren. Immerhin ist bei den Kosten für die Sanierung des Grabens von mindestens zehn Millionen Euro die Rede. Professor Max Linke vom Landesheimatbund meint, wenn eine Kulturnation wie Deutschland nicht das Geld habe, solch ein bedeutendes Bauwerk zu erhalten, dann solle sie sich von diesem Anspruch verabschieden. Rainhilde Beret von der Zeitzer Verwaltung verglich die jetzigen Bemühungen um die Sanierung des Elsterfloßgrabens mit den Anfängen zum Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche und zur Landesgartenschau in Zeitz. Auch da seien es wenige Enthusiasten gewesen, die große Ziele auf den Weg gebracht haben.

Die Streiter für die Sanierung des Elsterfloßgrabens haben politische Rückendeckung des Zeitzer Stadtrates erhalten, sie erwirkten vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Zusagen, das Vorhaben fachlich zu begleiten. Reinhard Sträßner verwies auf Arbeiten der Verwaltung, die unter anderem Planungsabschnitte zur Grabensanierung festgelegt hat. Und Landtagsabgeordneter Frank Thiel (Linkspartei) wird nicht müde, bei der Landesregierung auf Unterstützung für das Vorhaben zu drängen, dessen praktische Umsetzung mit Hilfe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen bisher in bescheidenen Anfängen blieb. Dennoch wertet Theo Immisch von der Zeitzer Verwaltung die Maßnahmen als Erfolg. "Wir haben mit den Beschäftigungsprojekten mit wenigen Mitteln große Wirkung erzielt." Nun soll die Bildung eines Fördervereins "Großer Elsterfloßgraben" und eines Trägerverbandes dem Vorhaben weiteren Schwung verleihen. "Bürger und Unternehmen der Region haben so die Chance, sich aktiv am Projekt zu beteiligen", sagt Thiel. Zudem könne der politische Druck auf die Landesregierung erhöht werden, das Vorhaben zu unterstützen. Ein Ziel sei es, zumindest eine Anschubfinanzierung für das Projekt zu erreichen. Möglichst bis zum Jahresende, spätestens im ersten Quartal 2009 soll der Förderverein gegründet sein, meint Thiel. Der soll sich dann um das Sammeln von Spenden und Sponsoring kümmern, soll Fördermittel einwerben.

Staat half schon einmal

Während der Beratung im Friedenssaal machte Jörg Stolper, Geschäftsführer der Wohnungsbau-gesellschaft Zeitz, die Unterstützung seines Unternehmens für das Elsterfloßgrabenprojekt deutlich. "Uns gehören Grundstücke am Floßgraben. Dort könnten wir Akzente setzen und so dazu beitragen, dass die Attraktivität und Lebenslust in Zeitz steigt", sagte er. Stolper kündigte an, Mitglied im Förderverein werden zu wollen. Max Linke äußerte die Überzeugung: "Der Elsterfloßgraben wird kosten, aber er wird auch was einbringen und kann eine Touristenattraktion werden. Das wird aber langsam gehen." In Richtung Landesregierung formulierte Linke die Forderung nach einer Anschubfinanzierung für das Vorhaben: "Als vor 100 Jahren der preußische Staat den Elsterfloßgraben in die Verantwortung der Kreise gab, hat er 230 000 Goldmark als Anschub gegeben."

Nähere Informationen zu den Bemühungen um den Erhalt des Elsterfloßgrabensystems gibt es unter

www.elsterflossgraben.de

Verein will Floßgraben wiederbeleben

Heimat: Versammlung zur Gründung fand statt

VON TORSTEN GERBANK, 16.12.09, 18:20h, aktualisiert 16.12.09, 22:26h

ZEITZ/MZ. Unter dem Dach des Zeitzer Gewandhauses ist am Dienstagabend Geschichte geschrieben worden. Neun Frauen und Männer haben den Förderverein "Elsterfloßgraben" gegründet. Erster Vorsitzender ist Frank Thiel aus Spora. Zum zweiten Vorsitzenden wählten die Gründungsmitglieder Theo Immisch aus Zeitz. Ziel des Zusammenschlusses ist es, den Elsterfloßgraben im Burgenlandkreis wiederzubeleben. Das kulturhistorisch und technikgeschichtlich wertvolle Bauwerk schlängelt sich auf einer Länge von etwa 17 Kilometern durch den Burgenlandkreis, von der Landesgrenze nach Thüringen bei Wetterzeube bis zum Tagebau Profen. Das Gros des Grabens liegt trocken, ist zugewachsen beziehungsweise vermüllt. Der Förderverein macht es sich zur Aufgabe, dafür zu sorgen, den Floßgraben wieder mit Wasser zu füllen, so dass in einigen Jahren vielleicht wieder gezeigt werden kann, wie die Flößer einst gearbeitet haben. Auf dem Elsterfloßgraben ist früher Scheitholz vom Vogtland bis nach Leipzig transportiert worden. Visionen gehen sogar soweit, den Elsterfloßgraben nach der Schließung des Tagebaus Profen wieder durchgängig bis Leipzig zu führen. Doch zuvor liegt vor den Vereinsmitgliedern die Aufgabe, Geld und Fördermittel zu akquirieren, um arbeiten zu können. Geplant ist, einen Überlassungsvertrag mit dem Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft abzuschließen. Denn der Elsterfloßgraben wird noch als Gewässer erster Ordnung geführt, obwohl er seine wasserwirtschaftliche Bedeutung längst verloren hat. Zunächst muss allerdings eine Projektstudie in Auftrag gegeben werden, um letztlich zu erfahren, wie vorgegangen werden kann und welche Kosten künftig anstehen. Der Verein wird in den nächsten Monaten auf Anrainergemeinden zugehen, um sie als Mitglieder zu gewinnen. Mit ihrer Hilfe kann laut Thiel der angestrebte Überlassungsvertrag mit Leben erfüllt werden.

Förderverein Elsterfloßgraben e.V.

c/o Dr. Frank Thiel

Am Kirschberg 8

39122 Magdeburg

Mail: elsterflossgraben[at]gmx.de

Geschäftsstelle

Am Herrmannschacht 11

06712 Zeitz

Fon:  03441-61 94 20

Mail: elsterflossgraben[at]gmx.de

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