Archiv 2006 - 2007

Experten machen sich für Floßgraben stark

Tagung soll in «Zeitzer Erklärung» münden - Erhalt des Systems

VON Hartmut Landes, 30.04.07, 19:26h, aktualisiert 30.04.07, 21:42h

Zeitz/MZ. Um die historische Bedeutung, Gegenwart und Zukunft des Elsterfloßgrabensystems ging es vor wenigen Tagen bei einer zweitägigen Beratung in der Stadtbibliothek Zeitz unter Federführung des Landesheimatbundes Sachsen-Anhalt. Wie Theo Immisch, Leiter des Hoch- und Tiefbauamtes und Vertreter der Stadt Zeitz nach der Tagung gegenüber der MZ erklärte, eint die Experten aus den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die Sorge um den Erhalt des mehr als 400 Jahre alten Floßgrabensystems, das ein hochgradiges technisches Denkmal darstellt und 1987 in die Denkmalliste aufgenommen wurde.

Während der Tagung hätten sich deren Teilnehmer entschieden gegen Pläne des Landes ausgesprochen, für den Floßgraben, der ein Gewässer I. Ordnung in Sachsen-Anhalt ist, die geringste Unterhaltungsform anzuwenden. Im Klartext: Als grüne Mulde ohne Wasser. Immisch sagt: "Wir wollen als Stadt Zeitz, dass in den Floßgraben wieder Wasser reinkommt. Er hat neben seiner Bedeutung als Denkmal auch Bedeutung als Vorfluter und als ökologischer Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen." In dieser Auffassung habe die Stadt Zeitz auch einen breiten politischen Rückhalt im Stadtrat.

Während der Tagung stellte Immisch die Bemühungen der Stadt Zeitz in den vergangenen drei Jahren für den Erhalt des Floßgrabensystems vor. So habe sich die Stadt sowohl an das Umweltministerium als auch mehrfach an das Landesverwaltungsamt gewandt, unter anderem mit der dringenden Bitte, die Abstufung des Floßgrabens zum Gewässer II. Ordnung oder dessen Trockenlegung zu verhindern. Zugleich schalteten sich die Fachgremien des Zeitzer Stadtrates in die Debatte ein und forderten, den Floßgraben zu erhalten und instand zu setzen.

Die Bemühungen der Stadt Zeitz zur Instandsetzung des Floßgrabens, so ein Projekt zur "Revitalisierung des großen Elsterfloßgrabens im ländlichen Raum von Zeitz", für das Fördermittel beantragt wurden, waren bislang nicht erfolgreich. Vielmehr greift in der Praxis die Auffassung, die vom Landesamt für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft als Obere Wasserbehörde vertreten wird. Danach gelte für den Floßgraben "verminderte Unterhaltung".

Die Teilnehmer der Tagung haben sich laut Immisch gegen diese Praxis ausgesprochen. Ihre Haltung zum Elsterfloßgraben soll in einer "Zeitzer Erklärung" ihren Niederschlag finden.

Chancen auf Wiederbelebung des Floßgrabens

Gespräch zwischen Politikern, Verwaltung und Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft

VON Hartmut Landes, 18.06.07, 18:37h, aktualisiert 18.06.07, 21:31h

Zeitz/MZ. Die Chancen auf die Wiederbelebung des Floßgrabens als Wasser führendes künstliches Bauwerk sind gestiegen. Das ist Ergebnis eines Treffens, das am Montag auf Initiative des Landtagsabgeordneten Dr. Frank Thiel (Die Linke) im Zeitzer Rathaus stattfand.

Während der Gesprächsrunde erörterten leitende Vertreter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) mit dem Zeitzer Oberbürgermeister Dieter Kmietczyk (parteilos) und dem Stadtratsvorsitzenden Reinhard Sträßner (parteilos) Möglichkeiten, wie das hochgradige technische Denkmal für die Nachwelt erhalten werden kann, ohne dass es zur grünen Mulde verkümmert.

Mehrfach hatten in der Vergangenheit Politiker verschiedener Parteien aus Zeitz und umgebenden Kommunen erklärt, die Bürger der Region wünschten einen Floßgraben, in dem Wasser fließe. Diese Auffassung stand den Plänen des Landes entgegen, für den Floßgraben, der ein Gewässer I. Ordnung in Sachsen-Anhalt ist, die geringste Unterhaltungsform anzuwenden. Im Klartext: Als grüne Mulde ohne Wasser.

Bei dem Gespräch Montagnachmittag in Zeitz sicherte Sachsen-Anhalts LHW-Geschäftsführer Burkhard Henning den Kommunen und Interessenvereinigungen indes fachliche Begleitung seines Amtes zu, wenn es darum gehe, den Floßgraben von Wehr zu Wehr wieder mit Wasser zu füllen und Schadstellen zu beseitigen. Was Henning und das LHW nicht leisten: Sie bringen kein Geld.

Doch die Sanierung des Floßgrabens wird schätzungsweise rund zwölf Millionen Euro kosten und mindestens zehn Jahre dauern. Dennoch drängt die Zeit. Denn fast täglich wächst der Graben stärker zu, wird der Damm poröser, weil kein Wasser in der Mulde fließt.

Die Gesprächspartner kamen überein, dass das LHW den Kommunen die Beräumung des Grabens und auch Probebewässerungen erlauben wird. Zudem soll ein regionaler Trägerverein gegründet werden, der treibende Kraft für die Wiederbelebung des Grabens ist und zugleich Geldquellen für die Sanierung des Grabens erschließt. Das nächste Treffen ist für Herbst dieses Jahres vorgesehen. Dann schon mit Vertretern eines neuen Trägervereins und konkreteren Vorstellungen zur Sanierung.

Elsteraue für Floßgraben

Grundsatzbeschluss auf Sitzung

erstellt 30.07.07, 18:05h, aktualisiert 30.07.07, 22:12h

Elsteraue/MZ/bar. Der Gemeinderat Elsteraue unterstützt grundsätzlich das "Zeitzer Floßgrabenmanifest". Diesen Beschluss fasste er auf seiner jüngsten Sitzung mehrheitlich. Darin erklärte er sich bereit, mit den anderen Anrainergemeinden des Floßgrabens für dessen Erhalt zusammenzuarbeiten und das Land in seine Verantwortung für dieses Kultur- und technische Denkmal in die Verantwortung zu nehmen.

Die Räte gaben aber auch zu bedenken, dass der Floßgraben zum Beispiel im Bereich Reuden im Tagebau verschwunden sei. Auch wenn der Tagebau-Betreiber für dessen Wiederherstellung finanzielle Mittel zurückgelegt habe, existiere der Floßgraben nicht einmal mehr in der langfristigen Planung der Einheitsgemeinde. Finanziell dürfe sich die Elsteraue an dem Vorhaben jedenfalls in keiner Weise beteiligen.

Floßgraben führt bald Wasser

Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft macht sich vor Ort ein Bild

VON Uta Kunick, 10.12.07, 19:09h, aktualisiert 10.12.07, 19:30h

Der Landtagsabgeordneter Frank Thiel (2. von links) - hier im Gespräch mit Stadtratsvorsitzendem Reinhard Sträßner - lud unter anderem Kommunalpolitiker und Vertreter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft zu einer Begehung des beräumten Floßgrabens ein. (Foto: MZ)

 

 

Grana/MZ. Der Floßgraben erfährt eine Wiederbelebung. Davon konnte sich am Montag der Direktor des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Burkhard Henning an Ort und Stelle überzeugen.

Gemeinsam mit Kommunalpolitikern der Stadt Zeitz, Vertretern der Anrainergemeinden und des Landesheimatverbandes Sachsen-Anhalt und anderen stieg Henning unterhalb vom Bahnhof Haynsburg in den trockenen Floßgraben, um sich von dessen Zustand zu überzeugen. Michael Gottschlich, Geschäftsführer der Zeitzer Innovativen Arbeitsfördergesellschaft (Ziag) und Ziag-Koordinator Detlef Herrmann erklärten den Beteiligten, was für Arbeiten hier laufen beziehungsweise schon gelaufen sind.

So wurde in einer ersten Maßnahme, die in Zusammenarbeit mit der Arge SGB II Burgenlandkreis zustande kam, der Floßgraben von Wildwuchs, Totholz, Laub und Müll beräumt. Begonnen wurde nordöstlich von Schleckweda unterhalb eines Flurstücks, das den Namen Uthmig trägt. Von hier arbeitete sich die Gruppe bis nach Schkauditz vor. In diesem Bereich habe sich das Floßgrabenbett als stabil erwiesen. "Wir waren angenehm überrascht über den Zustand. Es ist relativ wenig eingefallen", beschrieb Gottschlich. In Abstimmung mit der Verwaltungsgemeinschaft Droyßiger-Zeitzer Forst und mit der Gemeinde Grana hat eine weitere Maßnahme mit fünf Leuten - alles Arbeitslosengeld-I-Empfänger - begonnen. Sie beräumen derzeit den Floßgraben auf Granaer Flur. Am Abschlag Haynsburg legte Gottschlich einen Zwischen-Stopp ein. An dieser Stelle sollen demnächst Sandsäcke eingebracht werden, um eine künstliche Abdeckung zu schaffen. Sinn macht das Ganze allerdings erst, wenn am Abzweig Uthmig, wo der Floßgraben aus Richtung Crossen kommend noch Wasser trägt, das Wasser aufgedreht wird, meinte er. Das soll am 7. Januar erfolgen, einigte man sich am Montag vor Ort. Einig war man sich auch darüber, dass parallel zum Floßgraben Wander- und Radwege entstehen sollen.

Reinhard Sträßner sprach von einem uferbegleitenden Weg zwischen Grana und Zangenberg. "Soweit unsere Grundstücke davon betroffen sind, sehe ich keine Probleme", erklärte Henning. Auch über die Unterhaltung des Floßgrabens und über die Gründung eines noch ausstehenden Vereines oder Verbandes zum Erhalt des Floßgrabens wurde am Montag diskutiert.

Förderverein Elsterfloßgraben e.V.

c/o Dr. Frank Thiel

Am Kirschberg 8

39122 Magdeburg

Mail: elsterflossgraben[at]gmx.de

Geschäftsstelle

Am Herrmannschacht 11

06712 Zeitz

Fon:  03441-61 94 20

Mail: elsterflossgraben[at]gmx.de

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